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„Die Börse reagiert gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie“

Dieses Zitat des verstorbenen Börsen- und Finanzexperten André Kostolany zeigt, dass Anlageentscheidungen an der Börse in hohem Maße emotional statt rational geprägt sind. Statt seiner bloßen Vernunft die Entscheidung über die Kapitalanlage zu überlassen, lässt sich der Mensch von Gefühlen wie Freude, Panik, Selbstvertrauen und Verlustängsten beeinflussen. Diese führen in der Summe zu beschränkter Informationsaufnahme, falschen Erwartungshaltungen und Wahrnehmungsverzerrungen.

Die an der Börse getroffenen Entscheidungen sind somit systematisch irrational. In der aggregierten Makro-Perspektive entstehen durch derartige Irrationalitäten langfristig Überreaktionen, Entwicklungen von Blasen und Börsencrashs.

Mit diesen Themen beschäftigt sich in der Wissenschaft die Disziplin der „Behavioral Finance“. Sie wirft einen verhaltenswissenschaftlichen Fokus auf die Anlage und das Investment an der Börse. Da auch Versicherungsunternehmen an der Börse investieren, ist dieses Wissen auch für sie relevant (vgl. Müller-Peters, Horst, 2015 Köln, Präsentation: Psychologie der Finanzmärkte, S. 2).

Im Folgenden werden daher einerseits einige Kernelemente der „Behavioral Finance“ vorgestellt, andererseits aber auch Hinweise zu rationaleren Investitionsentscheidungen gegeben.

Kernelemente der „Behavioral Finance“

Vergleichen wir die in der Theorie bekannten Modelle zum Wertpapiermanagement (z.B. die Portfoliotheorie nach Markowitz oder die Theorie effizienter Märkte) mit der Realität, so sind hohe Abweichungen offensichtlich. Dementsprechend sind neoklassische Modelle des Wertpapiermanagements nicht in der Lage, irrationale Verhaltensweisen am Kapitalmarkt zu erklären.

Eine mögliche Erklärung für derartige Verhaltensweisen liefert uns die „Behavioral Finance“. Sie verbindet die ökonomische Perspektive mit der Perspektive der verhaltenswissenschaftlichen Psychologie. Wie auch in der Disziplin der allgemeinen „Behavioral Economics“  gehen wir in der „Behavioral Finance“ davon aus, dass die tatsächlichen Verhaltensweisen von Menschen weniger rational nach der Erwartungsnutzentheorie, sondern eher emotional und kognitiv gesteuert sind.

Unter anderem genügen den einzelnen Marktteilnehmern schon ausreichende, zufriedenstellende statt nutzenmaximierte Ergebnisse. Durch unabsehbare Verhaltensweisen und die Ausrichtung auf bestimmte präferierte Verhaltensmuster und Heuristiken weichen sie langfristig von der idealen Erwartungsnutzentheorie ab.

Die wohl bedeutendste Entscheidungstheorie in der „Behavioral Finance“ ist daher die Prospect Theory bzw. die Neue Erwartungstheorie nach Daniel Kahneman und Amos Tversky (vgl. Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken). Sie dient, in der Form einer Symbiose normativer und deskriptiver Entscheidungstheorien, als praxisrelevante Alternativfunktion zur klassischen Erwartungsnutzentheorie (vgl. Daxhammer, Rolf, 2012 Behavioral Finance, S. 75-82).

Mit dieser Theorie kann die Entscheidungsfindung in Situationen unter Unsicherheit beschrieben werden. Anders als bei der Erwartungsnutzentheorie, in der strikt an dem Homo Oeconomicus festgehalten wird, werden bei der Neuen Erwartungstheorie kognitive Verzerrungen berücksichtigt, die das Verhalten unter Unsicherheit beeinflussen können.

Derartige kognitive Verzerrungen äußern sich durch das Auftreten einer Vielzahl diverser Heuristiken und Emotionen, die bei der Anlageentscheidung zur Geltung kommen.

Beispielsweise werden ohne einen logischen Grund heimische Investments im Verhältnis zu ausländischen Investments bevorzugt (Home-Bias), Verluste nicht realisiert (Verlustaversion und Dispositionseffekt) und überzogene vorschnelle Handlungen getätigt (Kontrollüberschätzung).

Investoren überschätzen dabei ihre Fähigkeit in der Kapitalanlage und neigen zu äußerst starkem Panikverhalten (Stress/Angst/Panik), falls ein Verlust droht. Daher kann es zum Beispiel vorkommen, dass Investments bei fallenden Kursen zu spät verkauft und bei steigenden Kursen zu spät gekauft werden (vgl. Daxhammer, Rolf, 2012, Behavioral Finance, S. 87; vgl. Goldberg, Joachim, 2004 ,Behavioral Finance, S. 170 f.; vgl. Müller-Peters, Horst, 2015 Präsentation: Psychologie der Finanzmärkte, S. 3, S. 10).

Hinweise zu rationaleren Investitionsentscheidungen

Um kognitive Verzerrungen in der Anlageentscheidung bewusst zu umgehen, muss sich der Investor bei der Kapitalanlage zur Einhaltung bestimmter rationaler Verhaltensmuster zwingen.

Hinweise zu besseren Investitionsentscheidungen werden beispielhaft in der folgenden Auflistung gegeben (vgl. Müller-Peters, Horst, 2015 Präsentation: Psychologie der Finanzmärkte, S. 11):

  • Offenheit für widersprüchliche Informationen
  • Befreiung von Ankerwerten
  • Verluste nicht zurückhalten
  • Entscheidungen unabhängig von vorherigen Entscheidungen treffen
  • Ruhe statt Aktivismus („Kostolany-Strategie“)
  • Portfoliodenken statt Blick auf einzelne Titel
  • Regeln konzipieren und einhalten
  • Führen eines Investitionstagebuchs

Die folgende Präsentation liefert einen Überblick über die zuvor beschriebenen Irrationalitäten in der Anlageentscheidung und Marktüberreaktionen an der Börse.

Weiterführende Literatur und Quellen:

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Weiterführende Literatur

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